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Holgers Zweirad Shop GmbH, Hanauer Landstrasse 551, 60386 Frankfurt, SUZUKI Vertragshändler.
25 Jahre Motorradgeschichte. Wir haben viel zu erzählen!


  Der Anfang
Damals im Jahre 1984 war noch alles anders. Wolfgang Schwarz, Inhaber der Firma Suzuki Schwarz in Hanau überlegte ob er - vor dem Hintergrund das Suzuki in Deutschland nur noch einen Marktanteil von unter 6 % hatte - überhaupt noch weiter machen sollte. Vor allem weil das Suzuki Autogeschäft mit Hilfe des Offroad Booms florierte. Das gleiche dachte auch Suzuki Deutschland die damals noch in Oberschleißheim bei München als privater Importeur fungierten. Man stand vor der Frage den Import von Motorrädern nach Deutschland ganz einzustellen. Doch es sollte sich alles zum guten wenden. Denn Herr Schwarz fand einen jungen begeisterten Motorradfahrer, der mit ihm eine neue Firma gründen wollte, die sich ausschliesslich auf Motorräder und Roller konzentrierte, und Suzuki Japan entschied sich in Eigenregie Motorräder nach Deutschland zu importieren. Bevor es jedoch zur Gründung der Firma Holgers Zweirad-Shop GmbH kommen sollte, mussten noch wichtige Endscheidungen getroffen werden. Neben der Finanzierung, Miete, Mitarbeiter usw. war die wichtigste Frage, kann man als Suzuki Motorradhändler existieren?

  Holger Funk
hatte damals gerade einen Schallplattenladen in direkter Nachbarschaft zu Suzuki Schwarz. Zudem war er als Berufsmusiker vorzugsweise am Wochenende unterwegs. Wenn er nicht beim Grand Prix d`Eurovision de la Chanson (Ein Lied für Göteborg 1985- Momo: so lang wir träumen leben wir / so wie du) teilnahm, fuhr er eine Suzuki GS 550 Sondermodell “Red Suzi”.
Weil er sich eine neue schnellere Maschine kaufen wollte, schaute er ab und an bei Wolfgang vorbei. Irgendwann bemerkte Holger das er mehr Zeit im Motorradgeschäft als in seinem eigenen Laden verbrachte. So wuchs der Gedanke den Schallplattenladen zu verkaufen, und mit Wolfgang zu fusionieren. Weiterhin offen war die Frage: kann man als Suzuki Motorradhändler existieren

  Suzuki GSX-R 750
Diese offene Frage lies sich am besten auf der Internationalen Fahrrad und Motorradmesse in Köln, kurz IFA, beantworten. Dort wollte Suzuki sich (der neue Importeur in Hebendem) und sein neues Modellprogramm präsentieren. Neben den Neuheiten DR 600 S, VS 750 Intruder, LS 650 Savage, RG 500 Gamma wurde auch das neue Super Sport Motorrad GSX-R 750 vorgestellt. So fuhren Wolfgang und Holger nach Köln zur Messe. Zum Suzuki Stand ging es durch die Parallelhalle vorbei am Kawasaki Stand - der schlicht ignoriert wurde - durch einen Gang zu Suzuki, direkt auf ein grosses Drehpodest zu. Auf diesem Podest stand (zum damaligen Zeitpunkt) der nackte Wahnsinn. 176 Kg leicht und echte 100 PS stark. In wunderschönem weiß/blau lackiert. Die neue GSX-R 750. Die Entscheidung pro Motorradladen viel trotz aller Warnungen von Steuerberater, Anwalt und den Eltern sofort. Ja. Die Antwort konnte nur ja sein.

  Der Laden
Sofort nach der IFMA wurde durch den Notar die Firma Holgers Zweirad Shop GmbH in das Handelsregister eingetragen. Die Firma ging am 01 Oktober 1984 an den Start. Der Laden war klein. Auf nur 120 m² wurde verkauft und geschraubt. Die Kosten sollten gering bleiben. Es gab kein Personal. Holger war Geschäftsführer, Verkäufer, Schrauber, einfach alles. Und am Anfang hatte sich wirklich nicht viel gedreht. Kurz vor Weihnachten kam es dann zum ersten Kaufvertrag. Eine GSX 1100 S Katana war das erste Fahrzeug das ausgeliefert wurde. Ansonsten war es echt zäh. Die neuen Modelle sollten erst im Frühjahr kommen und die einzige Maschine die schon geliefert wurde - die neue DR 600 S hatte einen Kickstarter und einen Schiebervergaser mit Beschleunigerpumpe die jeden Startversuch im Ansatz ignorierte. Es war kalt, unfreundlich und düster. Der einzige Lichtblick war Vespa.

 

  Vespa
lief so neben her. Mit Motorroller hatte sich Holger noch nicht auseinandergesetzt. Sie waren bei Übergabe des Ladens halt da. Doch kurz vor Weihnachten gab es immer häufiger Verkaufsgespräche und es wurde immer mehr verkauft. Zeit sich damit auseinander zusetzen. Sie waren aus Blech, hatten bis zu 200ccm Hubraum und waren typisch italienisch. Schick aber etwas ungehobelt. Die Kupplung ging ein wenig knochig. Die Schaltung war hakelig und die Markierungen der vier Gänge auf der Lenkerverkleidung stimmten nie mit dem Strich am Schaltdrehgriff überein. Beim ersten “Rollout” kam es prompt beinahe zum Sturz. Als beim Anfahren die Kupplung etwas zu schlagartig kam, die Vespa einen Wheely vollführte und aufgrund ihrer Motorkonstruktion sofort nach rechts kippte, konnte der Sturz nur noch durch schnelles ausfahren des Pilotenfahrwerks verhindert werden. Über den verstauchten Knöchel legen wir den Mantel des Schweigens.

  Frankfurt
Das Geschäft entwickelte sich prächtig. Im ersten Jahr wurde der Laden einer der Top 10 Händler von SUZUKI Deutschland. Zur Belohnung gab es von Suzuki eine Reise nach Japan ins Suzuki Werk. Die neuen Modelle schlugen ein wie eine Granate. Für die nächsten Jahre wurden weitere Knaller wie die GSX-R 1100, VS 1400 Intruder und DR Big eingeführt. In der Zwischenzeit wurde Wolfgang durch Mato Gonzales ersetzt. Die neue Partnerschaft hatte den Vorteil, das Mato als KFZ Meister in der Werkstatt schraubte. Zudem wurde immer öfter auf der Rennstrecke gefahren und so wurde der Entschluss gefasst, sich ein wenig im Rennsport auszutoben. Da Wolfgang als Deutscher Vize Meister bei den 500ccm noch "heiß" war, wurde kurzerhand von “Mr. Superbike” Peter Rubato die GSX-R 750 gekauft und vorbereitet. Die Erfolge waren ...... bescheiden, aber Spass hat es trotzdem gemacht. Viel einfacher und effektiver war es sich als Sponsor in der Pro Superbike Meisterschaft zu betätigen. Durch Bert Poensgen, Vertriebschef und Leiter des Rennteams bei Suzuki Deutschland wurde der Deal eingefädelt. Und so holte das Team mit Fahrer Ernst Gschwender die Vizemeisterschaft in der damals wichtigsten deutschen Rennserie. Das wichtigste war jedoch die Entscheidung einen zweiten Laden in Frankfurt zu eröffnen. Da der vorige Suzuki Händler Konkurs war und sich fast 1 Jahr in Frankfurt nichts tat, drängte der Suzuki Aussendienst darauf das Holgers Zweirad-Shop den Frankfurter Markt betreute. Wie zuvor in Hanau sollten die Kosten überschaubar bleiben. Klar musste der Laden im Vergleich zu Hanau grösser werden, da der Frankfurter Markt grösser war, aber es sollte nicht wie beim Vorgänger, überzogen werden. Die Entscheidung fiel auf den Gewerbehof Mainkur. Man war an der Hanauer Landstrasse, eine der bekanntesten Strassen Frankfurts. Da der Laden aber auf dem Hof und damit nicht direkt an der Hauptstrasse war, war die Miete erträglich. Der Umbau dauerte (wie so oft) länger als geplant, weshalb die Räume vom Vermieter später übergeben werden sollten. Dies ging jedoch nicht, denn die Werbung für die Eröffnung am 01 April 1989 war schon geschaltet. Zudem ist der März und April die beste Zeit Motorräder zu verkaufen. Diese fehlenden Wochen hätten nicht mehr aufgeholt werden können. So kam es zu einer Feier in einem Rohbau. Die Geschichte wird zeigen, das dies nicht das letzte mal so war

  Loelein
Es wird Zeit über die beste Ehefrau der Welt zu erzählen. Simone genannt Mone und manchmal auch Loelein, lief Holger im Schallplattenladen über den Weg. Ihr Bruder war im Schallplattenladen als Aushilfe eingestellt. So kam es, das Mone ab und zu im Schallplattenladen war. Mone hatte einen Freund, was Holger überhaupt nicht gefiel. Es musste eine Taktik her um Mone diesem anderen auszuspannen. Mone wurde deshalb eines nachmittags überrumpelt, zum Abendessen eingeladen und anschliessend ging man durch die Strassen Hanaus bummeln. Zeit ist Geld und beides hatte er nicht. Kurz, die Sache war geritzt. Mone wurde im zweiten Jahr in Hanau als Bürokauffrau ausgebildet und arbeitete Anfangs in der Buchhaltung. Später, nachdem Frankfurt hinzukam, stellte sie die Brücke dar zwischen den beiden Läden. Zudem machte sie den Motorradführerschein um endlich “mitreden” zu können. Das Sozia da sein war ihr auf Dauer zu langweilig. Wie es sich für einen echten Motorradfahrer gehört, wurde nach bestandener Prüfung sofort eine DR 650 RS bepackt und nach Griechenland in den Urlaub gefahren. Nach dieser Reise war Simone fit. Das starten mit Kickstarter war überhaupt kein Problem. Nach einem gemütlichen Abendessen in einer Motorradkneipe, stand vor dem Lokal eine Horde gestandener Mannsbilder um eine Harley herum. Einer der schweren Jungs bemühte sich sein Gerät anzukicken. Leider ohne Erfolg. Die umherstehenden Jungs gaben alle möglichen Tipps, doch die Harley blieb stumm. Mone zog sich in Seelenruhe ihre Motorradjacke und Helm an, um sich auf die Suzuki zu schwingen und mit einem Kick den Motor starten. Mit einem “erster” zog sie die Kupplung, knallte den ersten Gang rein und brauste los. Die Jungs schauten ziemlich dämlich aus der Wäsche.

Grosse Veränderungen sollten jedoch kommen. Die biologische Uhr tickte, Simone und Holger waren jetzt 10 Jahre zusammen. Es war an der Zeit die Zukunft neu zu gestalten. Doch davon später mehr.

  Die Einheit
Der Frankfurter Laden wurde zügig renoviert und ausgebaut. Tagsüber wurden Motorräder verkauft und geschraubt, und nach Feierabend wurde am Laden gearbeitet. Telefon und Fax gab es noch nicht. EDV lief ebenfalls noch nicht. Ersatzteile wurden notiert und anschliessend von der Telefonzelle am Mainkurbahnhof geordert. Bis alles richtig lief war es bereits Herbst. Zur gleichen Zeit fiel die innerdeutsche Grenze. Unsere ostdeutschen Freunde kamen scharenweise. Der Nachholbedarf an Motorrädern war enorm. Teilweise fuhren die Jungs mit Lkws vor und luden alle gebrauchten Motorräder ein die da waren. (Die Polen waren da später wählerischer) 1991 und 1992 war der Laden ständig ausverkauft. Kunden die ein Motorrad bestellten, mussten teilweise 3 Monate auf ihr Bike warten. Die Arbeit wuchs einem über den Kopf. Der Laden war an der Front (Theke) alleine nicht mehr zu schaffen. Zudem gab es ständig Personalprobleme in Hanau. Es musste Verstärkung her. Doch woher nehmen. Einen Ausbildungsberuf für Motorradverkäufer gab und gibt es bis heute nicht. Die Antwort war hager, hatte eine weiße Schürze an und trug eine Kochmütze auf dem Kopf.

  Roland
hatte eine Kneipe im Hanauer Einkaufszentrum Grimmcenter. Bei ihm ging alles noch schneller als bei Holger. Er heiratet schneller, bekam schneller Kinder und stürzte schneller. Roland ist so schnell das er einem was erzählt, und wenn du dich dann umdrehst um zu Antworten ist er schon wieder weg. Roland ist so schnell, das er oft selbst nicht weis wo er gerade ist (und seine Frau schon gar nicht). Jedenfalls hatte er diese Kneipe und kochte ganz schnell. Roland und Holger freundeten sich an und verbrachten ihre Freizeit miteinander. Ab und zu kam Roland in den Hanauer Laden um Benzin zu reden. Eines Tages meldete sich Besuch aus Japan an. Die Ingenieure und Designer vom Suzuki Japan besuchen die Händler vor Ort, um den Geschmack des Marktes auszuloten. Zudem gilt es die Qualität ständig zu .verbessern. Da auch Japaner hungrig sind, besuchten sie, durch Zufall, Rolands Kneipe um zu Essen. Holger hatte jedoch bei Roland Snacks bestellt, damit die hungrigen Japaner im Motorradladen nicht hungern mussten. Die Gruppe wurde ruckzuck abserviert, in der Küche wurden die Snacks vorbereitet, anschliessend fuhr Roland schneller wie der Schall ins Motorradgeschäft um die Snacks aufzubauen. Als die Japaner im Motorradgeschäft ankamen, wurden sie von dem gleichen Kellner bedient, wie vorher in der Kneipe. Die verdutzten Gesichter sprachen Bände. Da der Dorfplatz - ein Stockwerk ausschliesslich mit Gastronomie und Erlebniswelt - nicht so lief, entschloss sich das Management des Grimmcenters selbigen zu schliessen. Damit war Roland seine Kneipe los. Selbstverständlich fuhr Roland Motorrad. Leider war es das falsche Bike. Zwischen einer Leberknödelsuppe und einer überbackenen Schweinelende, wechselte kurzerhand eine GSX-R 750 LTD. den Besitzer. Fortan lies Roland die Kawa links liegen. (das hatten wir doch schon mal) Nach einer gemeinsamen Tour wechselte Roland auch noch ganz schnell den Job. Statt Leberknödelsuppe wurden jetzt Motorräder und Motorroller verkauft.

  Der Geschäftsführer
Wie schon vorher erwähnt, tickte die biologische Uhr. Mone und Holger wünschten sich Kinder. Im Zuge einer Fahrt vom Hanauer- zum Frankfurter Laden in Höhe der Autobahnauffahrt Hanau West, fiel Mone auf dem Beifahrerplatz im firmeneigenen VW Bus auf die Knie und hielt um Holgers Hand an. Der überlegte nicht lange und schlug zu. (Zeit ist Geld) Es sollte am Freitag den 13 geheiratet werden. Es konnte nur ein Freitag den 13 sein. Da es ausgeschlossen war ein Kind zu versorgen und 2 Motorradläden zu führen, entschloss sich Holger den Hanauer Laden zu verkaufen. Zum damaligen Zeitpunkt ging der Hanauer Laden auf Grund seiner Historie einfach besser. Was gut geht lässt sich auch gut verkaufen. Es wurde mit vielen Motorradfreunden Verhandlungen geführt. Alle waren ganz heiss das Geschäft zu übernehmen. Nur finanzieren konnte es keiner. Wie vorher schon berichtet gab es auch teilweise Probleme mit dem Personal. Ein Problemkind war der Mechaniker Vittorio Paretti. Vittorio war Italiener, kam aus Spanien und konnte kein Deutsch. Dort hatte er angeblich in einem Rennteam geschraubt. Ausserdem war er (angeblich) Mechaniker im GP Rennstall von HB-Suzuki. Vittorio war typisch italienisch. Bei im war alles sauber und schön. Schrauben konnte er. Doch menschlich war er eine einzige Katastrophe. Sein Motto war: bisschen langsam, bisschen mit Kopf. Eines Tages rief Mone ganz aufgeregt in Frankfurt an. Der Lehrling und Vittorio hatten sich in der Werkstatt geprügelt. Vittorio musste gehen. Ab und zu schaute er herausgeputzt mit den neusten Kombis und Helmen und nagelneuen Motorrädern - meistens Kawas - vorbei um zu promenieren. Irgendwann im Winter 1992 bot er in selbstgefälligen Ton an, den Laden in Hanau zu kaufen. Holger ignorierte dies, weil der Junge ausser seinem Ego nichts drauf hatte. Vittorio war jedoch penetrant interessiert, so das eines Tages ein Kumpel von im vorbeischaute und sich als Eddie vorstellte. Eddie hatte gerade geerbt und war gewillt Vittorio das Geld hinterher zu werfen, damit dieser den Hanauer Laden kaufen konnte. Es wurde ein Termin beim Notar vereinbart um den Vertrag zum Abschluss zu bringen. Jedoch gab es noch einen kniffligen Punkt, nämlich die rechtlichen Details der Bodenverschmutzung zu klären. Die Diskussion dauerte etwa 15 Minuten als Vittorio plötzlich in die Diskussion einwarf: “isch Gescheeftsführer”. Alle schauten sich fragend an. Der Vertrag wurde ganz schnell unterzeichnet. Am 01 April 1993 wurde aus Holgers Zweirad-Shop Hanau die Firma Excalibur. Holger und Roland wollten feierlich am Morgen des 01 April die Schlüssel übergeben. Doch die neuen Besitzer kamen nicht. Vittorio holte gegen Mittag den Schlüssel in Frankfurt ab, renovierte - trotz Hochsaison - den Laden, kaufte sich das beste Werkzeug, diverse Goldketten und einen Lancia Integrale. Ein Jahr später war Excalibur pleite.

  Triumph
Da der Laden in Hanau verkauft war, die Mitarbeiter - bis auf einen - aber an Bord blieben, waren Ressourcen frei um eine weitere Motorradmarke ins Programm zu nehmen. Den Deal hatte Bryan Vorenberg, ein Kumpel aus alten Musikertagen Holgers, eingefädelt. Bryan war zuständiger Aussendienst Mitarbeiter von Triumph Deutschland. Triumph war am Anfang. Die ersten Motorräder hatten eine Menge Kinderkrankheiten, das Management wurde gefeuert (und trieb sein Unwesen später als Motorwelt Möhrfelden weiter), kurz, man stand vor einem Neubeginn. Durch Bryan entstand zu der neuen Geschäftsführung von Triumph Deutschland ein sehr gutes emotionales freundschaftliches Verhältnis. Beim ersten Meeting schenkte man reinen Wein ein. Stefan Böhr, der Geschäftsführer von Triumph Deutschland bemerkte, das es durchaus möglich sein könnte, dass sich nur 3 Neufahrzeuge im ersten Jahr verkaufen liessen. Darauf Holger: 20 müssen es schon sein. Triumph war anders. Es war alles ein wenig grösser, schwerer, britisch. Die 3 Zylinder Motoren klangen sensationell. In den ersten 3 Jahren hatte Holger mit Stefan Böhr eine Wette laufen, bei der sehr hoch gesteckte Verkaufsziele erreicht werden mussten. Der Verlierer lud den Gewinner zu einem feudalen Abendessen ein. Stefan verlor jedes Jahr. Mit dem erscheinen der Modelle Daytona T595 und Speedtriple stellte sich zwar der Verkaufserfolg ein, jedoch waren die Motorräder so unzuverlässig, dass bedingt durch die vielen Nachbesserungen und Rückrufaktionen sowohl bei Triumph wie auch bei Holgers Zweirad-Shop das totale Chaos herrschte. Die Qualität in der Werkstatt stimmte nicht mehr. Bei Triumph wurde kurzerhand erneut das Management ausgetauscht. Es kamen die Briten und wer immer schon einmal mit Briten zu tun hatte: DIE SIND ANDERS! Generell waren alle Schuld nur die Briten nicht. Es wurde darüber diskutiert das Vertragsgebiet zu verkleinern und neue Verträge abzuschliessen. Da der Laden im Gewerbehof in der Zwischenzeit trotz Neubezuges einer grösseren Werkstatt und Bau einer Lagerhalle - was die Ladengröße von Ursprünglich 340m² auf 560m² vergrösserte - schon wieder zu klein war, entschied Holger sich von Triumph zu trennen.

  Doch kein Triumph
Die Entscheidung war richtig. Denn obwohl der Umsatz zurückging, konnte der Gewinn gesteigert werden. Einfach deshalb weil man sich wieder auf sein Kerngeschäft konzentrierte. Terminzusagen konnten weitestgehend (wenn überhaupt in der Zweiradbranche möglich) gehalten werden. Die Garantiearbeiten gingen auf ein drittel zurück. Bryan, der in der Zwischenzeit von Triumph Deutschland zu Holger gewechselt war und Peter Kirchner, der gleich mit kam, gingen wieder. (also beide) Auch die Beziehung zwischen Holger und seinem Partner Mato hatte sich im Laufe der 15 Jahre verschlissen. Man ging getrennte Wege. Für Holger war der Zustand aber nicht befriedigend. Zwar lief der Laden besser den je, jedoch gab es keine Ziele. Ohne Ziele ist das Leben aber langweilig. Man wird träger, fett und faul. Der Laden hatte rein optisch auch schon bessere Zeiten erlebt. Nach 11 Jahren hätte mal gründlich renoviert gehört. Am besten wäre es gewesen alle Mauern niederzureissen und neu zu Bauen. Zum gleichen Zeitpunkt, kaufte der Vermieter des Ladens das Grundstück neben dem Gewerbehof auf dem die Firma Jade eine Fabrik hatte. Auf diesem Gelände sollte ein Bauhaus entstehen. Direkt neben dem Bauhaus, noch auf dem alten Gelände an der Hauptstrasse, wurde eine Fabrikhalle in der Kranbau betrieben wurde leer.

 Die Halle und das Bauamt
Aber nicht mehr lange. Der Mietpreis war gut. Die Adresse blieb die gleiche. Telefon, Fax, alles wie gehabt. Maklergebühren mussten auch keine bezahlt werden. Mit dem Vermieter gab es nie Probleme und einen Umzugswagen brauchte man auch nicht. In der Halle wurde vorher geschweisst, geflext, gespant, galvanisiert und lackiert. Es gab sogar eine Laufkatze in der Halle, die Bestand war. Es sollte ein leichtes sein, auf eigene Kosten die Halle nach eigenen Ideen auszubauen und zu gestalten. Uli Heitzenröder - wieder ein Musikerkumpel aus alten Zeiten - Architekt seines Zeichens entwarf den Umbau und stellte den Bauantrag. Und damit begann das Leiden. Das Bauamt ist ein Amt, in dem eine ganze Menge Leute arbeiten, die sich nicht die Finger verbrennen wollen. Apropos Brennen: ein wichtiger Punkt bei einem Bauvorhaben ist der Gebäude Brandschutz. Es gibt eine ganze Menge Vorschriften, die hier aufzuführen den Rahmen sprengen würde. Jedenfalls kann man als normal denkender Mensch davon ausgehen, das es in so einer Halle in der geschweisst, geflext, gespant, galvanisiert und lackiert wurde, das man in so einer Halle ein paar Motorräder stellen kann um diese zu verkaufen. In so einem Bauantrag ist auch ein Umnutzungsantrag. Einen Umnutzungsantrag zu erklären würde ebenfalls den Rahmen dieser Homepage sprengen. Nur soviel: vorher Kräne - jetzt Motorräder. Zwar fliegt im Verkaufsraum kein Funke und es gibt auch kein offenes Feuer, ganz im Gegenteil zum Kranbau, aber so eine GSX-R sieht so verdammt gefährlich aus, das man über den Brandschutz nachdenken muss. F30 ist auch so ein Kürzel über das es sich nicht lohnt nachzudenken, es sei den, man will ein Motorradgeschäft in einer ehemaligen Fabrikhalle eröffnen. Anfangs sollte das Schaufenster hin zur Hanauer Landstrasse und dem vorgelagerten Hof entstehen, und die Werkstatt im hinteren Teil der Halle. Aber die Umnutzung und der F30 waren dagegen. Ein ganzes Jahr Planung war vergangen. Horrorszenarien über einen F30 wurden verdaut, als Holger die Idee hatte das ganze einfach herumzudrehen. Der grosse Abschnitt blieb eine Werkhalle - also die Werkstatt, in welcher gewerkt wird - der kleine Teil dafür zweistöckig, wurde für den Verkauf geplant. Es musste nur noch für den kleinen Teil eine Umnutzung inkl. F30 beantragt werden. Eigentlich ist das ja genau wie vorher. Es werden wie geplant Motorräder und Motorroller verkauft und gewartet, nur mit dem Unterschied: jetzt geht’s. Leider ist das Schaufenster jetzt nicht mehr zur Hauptstrasse und zu den eigenen Parkplätzen, sondern in Richtung Bauhaus. Na ja, es sind jetzt halt ein paar Parkplätze mehr. Am 01 November 1999 begann der Umzug, am 01 Januar 2000 (schönes Datum) begann man zu Arbeiten und am 01 April 2000 wurde offiziell eröffnet. Aufgrund des Bauamtstresses waren die Räume noch nicht ganz fertig. Aber das hatten wir ja schon.

  Ciao Piaggio
Alles ist geregelt, alles läuft in der Spur. Der Laden wurde Stück für Stück verschönert, das Sortiment wurde vergrössert. Angefangen von den Neufahrzeugen, Gebrauchte, Zubehör, Bekleidung - eben Motorrad von A-Z. HZS hatte sich in Frankfurt etabliert. Man war ein wenig Stolz. Doch wie immer im Leben gibt es Höhen und Tiefen.
Die dunklen Wolken kamen aus dem Süden, aus Italien. Piaggio war finanziell angeschlagen und wurde von Morgan Greenfell / Deutsche Bank aufgekauft. Die neuen Besitzer stellten den Konzern neu auf. Alte Strukturen wurden gebrochen, neue Mitarbeiter kamen. Um auch in Deutschland wieder schwarze Zahlen zu schreiben, wurde die Geschäftsführung komplett ausgetauscht. Der neue Geschäftsführer, Herr Mottner, kam aus der IT-Branche von der Firma Dell, und begann sofort mit der Sanierung der deutschen Geschäftsstelle. Doch die Zweiradbranche ist speziell. Das musste auch Herr Mottner zur Kenntnis nehmen. Zuerst wurde die Piaggio Deutschland GmbH zerstückelt. Das macht man gerne in der heutigen Zeit. Die Ersatzteilabteilung wurde zu einer eigenständigen Firma geformt. Der Vertrieb wurde in verschiedene Verkaufsbüros im Bundesgebiet ausgegliedert und verteilt. HZS wurde vom Verkaufsgebiete Mitte in Giessen betreut. Leider machte Herr Mottner die Rechnung nicht mit seinen Mitarbeitern. Nach nur 2 Jahren war das Büro wieder geschlossen. Manchmal wusste man nicht an wem man sich wenden sollte. Das Chaos war jedoch endgültig, als man den Dispositeur der Ersatzteilbestellung vergraulte. Nur der wusste nämlich, dass das EDV-System in Italien geändert wurde. Alle Artikelnummern wurden in Italien von sechs auf sieben Stellen um eine Stelle erweitert. In Deutschland arbeitete man jedoch noch mit den alten sechsstelligen Ersatzteilnummern. Der gute Mann musste bei jeder Artikelnummer eine 5 anhängen. Um der neuen Geschäftsführung eins auszuwischen, wurde die Info von dem Mann nicht weitergegeben. Konsequenz. die EDV in Italien kannte praktisch keine einzige Artikelnummer. Alle Bestelleingänge wurden als unbekannt von der EDV verarbeitet. Es kamen keine Ersatzteile mehr. Es dauerte Monate bis die ET-Versorgung wieder halbwegs funktionierte. In Italien hatte man jedoch schon wieder neue Ideen. Die Ersatzteilversorgung für Europa sollte zentral aus Frankreich erfolgen. D.h. die neu gegründete deutsche Firma für die Ersatzteilversorgung wurde wieder geschlossen. Den Mitarbeitern wurde eine Stelle in Frankreich angeboten. Wer verlässt schon gerne die Heimat und zieht in ein fremdes Land, vor allem vor dem Hintergrund der ständig wechselnden Besitzer und Strategien? Die Mitarbeiter kündigten. Piaggio Deutschland hatte erfolgreich Stellen abgebaut ohne Abfindungen zahlen zu müssen. In Frankreich sprach man kein Deutsch. Den Händlern konnten keine Fragen nach Rückstand, Verfügbarkeit, oder sonstige allgemeinen Fragen beantwortet werden. Thomas Krüger, der ET-Mann bei HZS, war am verzweifeln. Richtige Artikelnummern kamen falsch verpackt an. Rückfragen zwecklos. Spricht doch keiner deutsch in Frankreich (die Franzosen sowieso nicht). Die regionalen Verkaufsbüros wurden ebenfalls wieder geschlossen. Die Mitarbeiter war man auch wieder los. Dem technischer Aussendienst, und dem Aussendienst für Zubehör wurde ebenfalls gekündigt. Bei einer grossen Händlertagung in Offenbach stellte Herr Mottner sein neues Vertriebskonzept vor. Die grossen Händler sollten weiterhin von Piaggio Deutschland betreut werden. Die kleinen Händler wollte man über einen privaten Grossisten betreuen. Dies wäre effektiver und würde die Marke Piaggio am Markt stärken. Die “Betonung liegt auf “Privat”. Es wurden 60% aller Vertragshändler gekündigt ohne das die es merkten. Nach der Veranstaltung im Foyer wurde mit den Händlern gefeiert. Eine taktische Meisterleistung. Davor muss man wirklich den Hut ziehen. Man hat sich von langjährigen Vertragspartnern getrennt, ohne eine Ausgleichszahlung leisten zu müssen. Den Hut musste nun auch Herr Mottner nehmen. Nach und nach kamen die Händler nämlich dahinter und boykottierten die Marke.
Die neue Italienische Konzernführung analysierte dass man, um in die Gewinnzone zu kommen, auch in den Motorradmarkt einsteigen sollte. Es wurde monatelang mit der in finanziellen Schwierigkeiten steckenden Marke MV Agusta verhandelt. Die Verhandlungen zogen sich über ein Jahr hin. Pünktlich zur Intermot 2002 in München, wurden die Verhandlungen offiziell für gescheitert erklärt. Ohne Geschäftsführung 2002, mit dem geplatzten MV Agusta Deal im Rücken, präsentierte sich Piaggio mit dem Messeslogan, “The Future is now”. Ein Slogan der von einem gekündigten Piaggio Mitarbeiter in “The Future was yesterday” umformuliert wurde.
Alle waren sehr motiviert Ende 2002.
Doch Piaggio sollte nicht zur Ruhe kommen. Mit Gerd Müller wurde ein neuer Geschäftsführer gefunden, der die Zentrale in Diedorf bei Augsburg nun endgültig schloss. Ein Umzug nach Kerpen stand an. Ein Umzug der Mitarbeiter von Augsburg nach Kerpen war für die meisten Mitarbeiter nicht tragbar. Wieder wurden Mitarbeiter entlassen, ohne das eine Abfindung gezahlt werden musste. Es stellte sich ein neuer italienischer Aussendienstmitarbeiter vor. Mit den Worten: Allrora, die Sonne scheint für alle, wurde ein neues Vertriebskonzept präsentiert. Der Vorschlag: sich den Verkauf mit einem Wettbewerber der nur 1 Km von HZS entfernt auf der gleichen Strasse ist, zu teilen. Der Konkurrent sollte die kleinen Roller und HZS die grossen Fahrzeug ab 200 cm³ verkaufen. Diese Situation hätte das Grande Casino noch verschärft. Wie will der Kunde unterscheiden wer nun was verkauft. Der Kunde steht in einem Laden und schwankt zwischen dem Kauf eines 180er oder 200er Rollers, und damit auch zwischen 2 Verkaufsstellen? Typisch Italienisch halt. Definitiv sind die grauen Haare an der Schläfe bei Holger auf Piaggio zurückzuführen. Höhepunkt war sicher die Übergabe eines Neufahrzeugs, welches sich in einem Zeitraum von über einem Jahr vollzog. Die Zündbox war schlicht nicht lieferbar. Der Kunde hat es dann vorgezogen sich ein anderes Fahrzeug zuzulegen. Leider nicht bei HZS. Eine Entscheidung, die man nachvollziehen kann. Die Konsequenz war, sich von Piaggio zu trennen. Ab sofort ärgern sich die Kollegen. Für HZS scheint wieder die Sonne.

 Time Out
In den folgenden Jahren war eitel Sonnenschein angesagt. Die Geschäfte mit SUZUKI liefen sehr gut. Das Team war gut zusammen gestellt, die Stimmung gut. Endlich war der Laden so organisiert, dass alles fast von selbst lief. Zeit sich mit neuen Dingen auseinander zu setzen. Am Anfang war das Hobby. Nur vor lauter Arbeit rückte das Hobby immer mehr in den Hintergrund. Das schien auch vielen Kunden so zu gehen. Die jährlich durchschnittliche Fahrleistung eines Bikers wurde immer kleiner. Als Grund wurde meist Familie, Karriere und Zeitmangel genannt. Davon konnte Holger ein Lied singen. In der Zwischenzeit selbst stolzer Vater zweier Mädchen, war die Zeit für das Hobby immer knapper. Man muss Prioritäten setzen. Am Jahresanfang seinem Chef, bzw. der Ehefrau mitteilen, man gedenke in diesem Jahr 1-2 mal für ein verlängertes Wochenende eine Auszeit zu nehmen um Motorrad zu fahren. Dann klappt’s auch mit der Tour. Die Idee eigene Motorradreisen anzubieten war geboren. Unter dem Slogan “Time Out” wurde 2003 die erste Broschüre vorgestellt. Die beste Ehefrau der Welt hatte am Anfang grosse Bedenken. Es steckte eine Menge Arbeit dahinter, doch im Mai 2003 fand die erste Tour zum Gardasee statt. Was sollte Holger erwarten? Wird die Tour gelingen? Gleich am ersten Abend stritten sich ein Paar so heftig, dass die Frau des Paares vorzeitig abreisen wollte. Das fing ja gut an. Doch in den folgenden Jahren entwickelte sich das Programm immer besser. Es machte einen Höllenspass. Die Touren waren so erfolgreich, dass einige Kunden sich am Anfang des Jahres für das komplette Jahresprogramm anmeldeten.
Zwischenzeitlich vergingen 20 Jahre. Am 01. Oktober 2004 wurde gefeiert. Der Präsident des neu gegründeten Suzuki Ja Ja Uma Clubs, Alex Jolig (der aus dem Container) stellte sein Club vorab persönlich vor. Die Feier war gelungen, alle Happy, man freute sich auf die kommende Saison.

  Der Test
Die Begann mit einem Test der Zeitschrift “das Motorrad”. Unbemerkt wurden wir von Europas grösstem Motorradmagazin unter die Lupe genommen. Wir waren eigentlich ganz zufrieden mit der Beurteilung. Das wir als ”kleiner Motorradladen” eingestuft wurden, können wir bei unserer Flächengröße von 1000 m² nicht ganz verstehen. Ab wann ist denn ein Motorradladen gross? Anyway. Wir sind wild entschlossen so weiter zumachen.

 Ende
das ist das vorläufige Ende der Vergangenheit. An der Zukunft wird emsig gearbeitet. Es wird bestimmt noch spannend und lustig.

Ihr Webmaster

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